03.08.2021

Tellerrand

Es gibt Menschen, die glauben auf einer Scheibe zu leben. Nicht mehr so viele wie auch schon und heute gibt es unermesslich viele Glaubensrichtungen. Teller haben etwas Scheiben ähnliches, denn die meisten sind rund, ohne Anfang und ohne Ende. Tellerrand bedeutet Horizont, also die Grenze vom Erkennbaren. Der Weg zum Horizont ist unermesslich weil sich auf der Reise unser Horizont mitverschiebt, wir haben ihn immer vor uns und er selbst ist für uns unerreichbar.

Von der Metapher vorwärts zum Gegenstand.

Volle Teller machen satt. Viele volle Teller machen fett, je nachdem wer davon isst und was überhaupt im Teller ist. Vor kurzem bekam ich zufälligerweise mit wie eine gepflegte Frau um die Fünfzig, körperlich attraktiv nach westlichen Massstäben und beim Essen immer wieder am gewitzten Telefon, im Restaurant diverse Nahrungsmittel und Getränke bestellte und konsumierte. Sie probierte von Allem etwas, den Rest liess sie stehen. Ich vermute dieses Verhalten hatte einen Zusammenhang mit ihrer körperlichen Verfassung, ob Genuss mit im Spiel war, konnte ich nicht feststellen.

In unserer Familie wird Genuss in vielen Formen gemeinsam gepflegt und gelebt als Ausdruck von Lebensfreude und Gemeinschaft. Die gemeinsame Mahlzeit hat in allen menschlichen Kulturen diese Bedeutung und ist das zentrale Ausdrucksmittel für Gastfreundschaft.

Vom Gegenstand vorwärts zur Metapher.

Über den Tellerrand hinausschauen hört man immer wieder, aber was will das sagen?
Geht es dabei um unseren Besitz, die eigene Portion und die soll möglichst gross sein? Stell dir vor deine Portion ist dermassen überproportioniert, dass der Teller nicht mehr ins Bild passt. Da wird das Konzept vom Horizont hinfällig. Die Portion ist alles, das bleibt.

P.S.
Was bedeutet eigentlich tellerrandständig?


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